Pflegeheim Ergenzingen –

 

Wird, was lange währt, nun endlich gut?

 

Nach mehrjährigen und mehrmals verworfenen Planungen, einschließlich eines hinfällig gewordenen Architektenwettbewerbs mit ausgelobten Preisgeldern in 2017, soll nun im Dezember 2023 das neue Pflegeheim in Ergenzingen fertiggestellt sein. Die Baufirma Geiger aus Herrenberg wird dieses zu einem Festpreis von knapp 11 Millionen Euro schlüsselfertig bauen. In diesem Baupreis sind weder das bewegliche Inventar von ca. 700.000 Euro, noch die Grundstückskosten enthalten.

 

Auf zwei Ebenen werden vier Wohngruppen für jeweils 15 Pflegebedürftige und zusätzlich 15 Tagespflegeplätze geschaffen. In jedem Einzelzimmer zu etwa 20 Quadratmeter werden jeweils ein Bad mit Dusche und ein WC zur Verfügung stehen.

 

Der Standort im Baugebiet Öchsner II war und ist umstritten. Zum einen liegt er nicht zentrumsnah, zum anderen an einem steil abfallenden Hang. Für ältere, meist gehbehinderte Menschen ein großes Hindernis. Vielleicht, um diesen Nachteil etwas zu mindern, ist im Eingangsbereich eine Cafeteria geplant. Grundsätzlich gibt es solche Angebote für die Bewohner und deren Besucher in den meisten Pflegeheimen. Nur in Ergenzingen soll diese Cafeteria auch als Begegnungsstätte für die Bevölkerung dienen und möglichst ehrenamtlich betrieben werden. Die geschätzten 300.000 Euro Baukosten sollen zudem über Sponsoren und/oder einen Förderverein finanziert werden. Doch das sind nicht die einzigen Mehrkosten, im Vergleich zu den anderen städtischen Pflegeheimen.

 

Durch den Ausstieg der Landesregierung aus der Pflegeheimförderung im Jahre 2010 wird der Eigenanteil für die Investitionskosten (IVK) im Ergenzinger Pflegeheim 21,29 Euro täglich betragen. Das wären monatlich rund 650.- Euro.

 

Zum Vergleich: Die Heimbewohner im „Haus am Neckar“ tragen im Pflegegrad 2 (Stand 1.1.2021) Investitionskosten (IVK) in Höhe von 9,72 Euro täglich, also monatlich 295 Euro. Das bedeutet, in Ergenzingen zahlt man mehr als das Doppelte an Eigenanteil der IVK.

 

Ob sich die geplanten vier Wohngruppenküchen entgegen einer Zentralküche bewähren, bleibt zu hoffen. Ebenso, dass die übergangsweise auf der Liebfrauenhöhe geplanten Tagespflegeplätze möglichst bald genutzt werden können.

 

Im Hinblick auf das bevorstehende 50-jährige Jubiläum zur Eingemeindung von Ergenzingen/Eckenweiler nach Rottenburg ist das geplante Pflegeheim bis jetzt keine Erfolgsgeschichte. Die Bürgerschaften der selbständig gebliebenen Nachbargemeinden Bondorf und Eutingen sind hier deutlich besser gestellt. Ein Rottenburger Amtsträger erwiderte vor Jahren einer Ergenzingerin auf die Frage nach einer Tagespflege:Wann begreift Ergenzingen, dass es zu Rottenburg gehört.Nach 50 Jahren wird es Zeit, dass Rottenburg begreift: Ergenzingen benötigt aufgrund seiner Größe und der weiten Entfernung zur Kernstadt eine deutlich bessere Infrastrukturausstattung.

 

Wie heißt es im Eingemeindungsvertrag im Paragraphen 2?
„Mit der Eingliederung soll die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Weiterentwicklung verstärkt und die Versorgung der Bürgerschaft mit öffentlichen Einrichtungen erweitert werden.“ …
und weiter

 

„Die Stadt Rottenburg verpflichtet sich, der Weiterentwicklung der Stadtteile den gleichen Rang wie dem Stadtkern selbst zuzumessen und die Lebensbedingungen hierin einander anzugleichen. „

 

Nach 50 Jahren ist es an der Zeit sich die Fragen zu stellen: Wurden diese Verpflichtungen eingehalten? Wie sieht das die Bürgerschaft in Ergenzingen? Wie wäre es, wenn es zumindest ab dem Jubiläumsjahr kostenlose Busanbindungen - natürlich für alle Ortschaften – nach Rottenburg geben würde?! Nur so können und würden die mitfinanzierten kernstädtischen Einrichtungen und Angebote wie z. B. Schulen, VHS, Hallen- und Freibad, Stadtbibliothek, iDipfele, Jugendhaus und deren Angebote, sowie Konzerte, Ausstellungen, Fachärzten, Einzelhandel usw.  annähernd gleichwertig genutzt werden.