19.11.2017
Gespräch der BfE mit
Ferdinand Truffner, 2014 bis 2017 hauptamtlicher Ortsvorsteher von Nabern (Stadtteil von Kirchheim unter Teck, 1900 Einw) und seit Januar 2018 Bürgermeister von Empfingen.

Herr Truffner, beschreiben Sie uns bitte Ihr Arbeitsfeld als hauptamtlicher Ortsvorsteher


Die Arbeitsbereiche des hauptamtlichen Ortsvorstehers in Nabern sind sehr breit gefächert. Meine Aufgaben reichen von Kindergartenverwaltung über Gebäudemanagement, bis hin zu Haushaltsthemen in Nabern sowie Repräsentation. Meine Arbeit als Beamter umfasst 41 Wochenstunden, 60% davon bin ich als hauptamtlicher Ortsvorsteher in Nabern tätig, 40% in der Geschäftsstelle des Gemeinderats der Stadtverwaltung Kirchheim unter Teck.
In Baden-Württemberg gibt es derzeit rund 56 hauptamtliche Ortsvorsteher, darunter etliche mit einer 100% Stelle wie z.B. in Horb-Talheim.  
Die Arbeit umfasst Verwaltungstätigkeiten im Rathaus, Sitzungsvor- und -nachbereitung sowie Gespräche und organisatorische Tätigkeiten außerhalb der Verwaltungsstelle. Die Anwesenheit bei Hauptversammlungen der Vereine und das Vorbereiten von Grußworten gehören genauso zur Arbeitszeit wie die Präsenz bei Dorffesten oder anderen Feiern der Ortschaft. Damit diesbezüglich nicht zu viel Arbeitszeit „verloren“ geht, sind bei Hauptversammlungen oftmals auch Ortschaftsräte vor Ort, sie sprechen die Grußworte oder übernehmen die Entlastung der Vorstände.
 
Wer übernimmt Ihre Aufgaben, wenn Sie längere Zeit fehlen?

Bisher bin ich keine längere Zeit ausgefallen – außer im Wahlkampf in Empfingen. Jetzt nach meiner Wahl zum Bürgermeister ist die Stelle neu ausgeschrieben worden. In der Zwischenzeit übernehmen die stellvertretenden Ortsvorsteher ehrenamtlich die Aufgaben. Diese werden wie bei Ihnen in Ergenzingen vom Ortschaftsrat ehrenamtlich gewählt. Derzeit habe ich drei ehrenamtliche Stellvertreter, die für ihre Aufgaben bzw. Tätigkeiten einen angemessenen Stundenlohn erhalten.

Wie sieht die Besoldung der hauptamtlichen Ortsvorsteher aus?

In der Regel werden sie in der Besoldungsgruppe A11 oder A12 vergütet. Die „niedrige“ Besoldung ist oft auch der Grund, warum die hauptamtliche Ortsvorsteher-Tätigkeit oft als Sprungbrett zum  Bürgermeisteramt angesehen wird - so wie es bei mir auch der Fall war. Alle meine Vorgänger wurden Bürgermeister oder Oberbürgermeister. Je nach Aufgabenumfang ist natürlich auch die Besoldungsstufe A13 denkbar, so z.B. in Böblingen-Dagersheim. A12 oder A13 sind dabei Gehaltsstufen und Stellen, die länger von Amtsinhabern besetzt werden.

Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Unterschiede zum ehrenamtlichen Ortsvorsteher?


Als hauptamtlicher Ortsvorsteher bin ich sozusagen der Verwaltungsstellenleiter und ehrenamtliche Ortsvorsteher in einer Person. Wir haben daher keinen Verwaltungsstellenleiter wie in Ergenzingen. Außer dem Ortsvorsteher haben wir noch zwei Verwaltungsangestellte im Rathaus, die sich eine 100%-Stelle teilen. Der Bürger-Service im Bereich Pass- und Meldewesen wird dabei von Kirchheim unter Teck bei uns im Rathaus abgedeckt.
Ein wichtiger Unterschied zum ehrenamtlichen Ortsvorsteher ist, dass der hauptamtliche aus dem gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst kommt. Er hat seinen Abschluss an einer Verwaltungshochschule in Kehl oder Ludwigsburg absolviert. Das Amt des ehrenamtlichen Ortsvorstehers kann dagegen natürlich von jedem Bürger oder jeder Bürgerin wahrgenommen werden. Es werden keine Verwaltungskenntnisse vorausgesetzt – manchmal von Vorteil, aber auch manchmal von Nachteil.

Wie laufen Ihre Sitzungen im Ortschaftsrat ab?

In der Regel dauern die Sitzungen von 19 Uhr bis 21.30 Uhr. Ich als Ortsvorsteher stelle die Tagesordnungspunkte vor und äußere auch meine Meinung zu den einzelnen Punkten – jedoch mit der Maßgabe, dass ich Teil der Verwaltung und nicht Teil einer Fraktion bin. Die Fraktionen bzw. Gruppen im Ortschaftsrat debattieren und stimmen ab. Ich habe kein Stimmrecht. Bei Stimmengleichheit ist der Antrag entsprechend abgelehnt.

Wie steht es mit dem Kontakt zu den Bürgern?

Der hauptamtliche Ortsvorsteher hat keine Residenzpflicht am Ort. Es ist daher möglich, dass manchmal die Bürgernähe nicht ganz so ausgeprägt ist wie bei einem ehrenamtlich Tätigen, der schon seit Jahren oder Jahrzehnten im Ort wohnt. Ich bin nach meiner Wahl mit meiner Frau nach Nabern gezogen und wurde dort Vereinsmitglied im Musikverein sowie Feuerwehrmann; somit habe ich die Nähe zu den Bürgern schnell gefunden, aber auch gesucht. Es kann gut tun, wenn ein Ortsvorsteher von außen kommt, jedoch habe ich lange Zeit gebraucht, um die Beziehungen im Ort zu kennen.
 
Herr Truffner, Sie waren jetzt etwas mehr als 3 Jahre in Nabern: Gibt es ein von Ihnen initiiertes Projekt, das Sie besonders hervorheben möchten?

Als eines der ersten Projekte habe ich den Änderungsvertrag zur Anpassung der Eingliederungsvereinbarung zwischen der Stadt Kirchheim unter Teck und der Ortschaft Nabern in die Wege geleitet. Wir haben Aufgaben auf den aktuellen Stand gebracht. Darin sind auch die geänderten Aufgaben des Ortschaftsrats und der Ortschaftsverwaltung aufgelistet. Durch den Änderungsvertrag konnten verwaltungsinterne Aufgaben deutlich effizienter erledigt werden – auch zum Vorteil der Bürger.
Das Ortsentwicklungskonzept Nabern wurde dieses Jahr beschlossen. In über 70 Seiten unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten – für ein lebenswertes Morgen“  beschreibt es Ideen, Visionen und Planungen, die gemeinsam mit den Bürgern in verschiedenen Workshops ausgearbeitet wurden. Das Konzept wurde vom Gemeinderat Kirchheim unter Teck entsprechend beschlossen und ist für uns in Nabern ein Leitfaden für die Ortsentwicklung der nächsten 20 bis 30 Jahren.
 
Herr Truffner, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.